Die Geschichte der modernen Raumfahrt lässt sich nicht von der militärischen Raketenentwicklung trennen. Ein bislang wenig bekannter Schauplatz liegt unmittelbar vor Friedrichshafen: die ehemalige Prüfstelle in Oberraderach. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier Triebwerke der A4-Rakete (V2) geprüft. Damit ist der Standort Teil der Forschungs- und Rüstungsstrukturen des nationalsozialistischen Raketenprogramms und verbindet den Bodenseeraum direkt mit dessen Geschichte. Das IART untersucht die Prüfstelle als Teil der regionalen Technik-, Militär- und Raumfahrtgeschichte und fragt nach ihrer Funktion im überregionalen Forschungs- und Rüstungsnetzwerk.
Laufend
Heeresprüfstelle Raderach
Vor den Toren Friedrichshafens wurden im Zweiten Weltkrieg Triebwerke der A4-Rakete (V2) geprüft. Wir rekonstruieren die Geschichte dieses kaum bekannten Standorts und ordnen sie in das deutsche Raketenprogramm ein.
Raketengeschichte vor den Toren Friedrichshafens
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Lage | Oberraderach, heute Stadtgebiet Friedrichshafen |
| Funktion | Prüfstelle des Heeres für A4/V2-Triebwerke |
| Tarnname | „Chemische Werke Oberraderach“ |
| Bauzeit | 1942–1943 |
| Zerstört | 16. August 1944 |
| Heute | ehemaliges Übungsgelände, teils Deponie |
Leitfragen
Was wir herausfinden wollen
Teil 1
Entstehung & Betrieb
Wann und unter welchen Voraussetzungen entstand die Prüfstelle? Welche Arbeiten wurden dort durchgeführt?
Teil 2
Beteiligte
Welche Institutionen, Unternehmen und Personen waren beteiligt?
Teil 3
Netzwerk
Wie war der Standort mit anderen Einrichtungen des Raketen- und Rüstungsprogramms vernetzt? Welche Rolle spielten Friedrichshafen und die Industrie der Bodenseeregion?
Teil 4
Nach 1945
Welche personellen, institutionellen und technologischen Kontinuitäten gab es? Wie wurde nach Kriegsende mit der Geschichte des Standorts umgegangen?
Die Prüfstelle in Daten
- 04/1942 Planung Beginn der Planungen für eine Prüfstelle des Heeres bei Raderach.
- 08/1943 Bau Bauarbeiten, zunächst vor allem durch Kriegsgefangene.
- 12/1943 Fertigstellung Die Anlage ist einsatzbereit.
- 01/1944 Stilllegung der Prüfstände Die Serienfertigung wird nach Mittelbau-Dora verlagert, Luftangriffe nehmen zu.
- 16.08.1944 Zerstörung Alliierte Luftangriffe zerstören die Anlage weitgehend.
- 25.09.1944 Aufgabe Der Standort wird endgültig aufgegeben.
- nach 1945 Nachnutzung Übungsgelände der französischen Streitkräfte, heute teils Deponie.